Papa läuft

Kleine Laufgeschichten und eine kleine Abnehm-Story mit Happy End - Als Erinnerung für mich und alle, die es interessiert...

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Fünf ist trümpf – Rennsteiglauf 2019

Diesen Weg auf den Höh’n bin ich oft gegangen… Meine Frau und ich haben Anfang des Jahres wie oft ich als gebürtiger Sachse eigentlich schon auf dem Rennsteig war, und wie selten meine Frau als gebürtige Thüringerin. Raus kam: Ich habe etwa 1.000 Kilometer Vorsprung. Aber der Rennsteig ist kein Wettbewerb, sondern für mich ein Stück Heimat. Aber einmal im Jahr ist er eben doch ein Wettbewerb!

VORWORT  – Meine kleine Rennsteiglauf-Geschichte

Der Rennsteiglauf ist und bleibt für mich ein Phänomen. Einst im Jahr 2006 den Lauf mal eben mit ’nem Haken versehen wollen – war ich doch vom ersten Schritt an verliebt in diesen Lauf. Es folgte ein Jahr später mein Marathondebüt und im Jahr 2008 ging es direkt noch mal von Neuhaus nach Schmiedefeld – damals noch mit 43,5 km der „kürzeste Ultra der Welt“. Wegen (beliebig lange Ausredenliste hier einsetzen) folgten 10 Jahre Laufpause, die in fast 110 kg Lebendgewicht mündeten. Mit dem Programm „Fußballfans im Training“ bei RB Leipzig speckte ich im Frühjahr 2018 von 107,6 auf 94,9 kg ab und finishte die Hitzeschlacht am Rennsteig in reichlich 5 Stunden. Das Laufjahr 2018 endete mit einem Beinahe-Desaster beim Kernberglauf und insgesamt 410 Laufkilometern.

Mit dem 1.1.2019 wurde alles besser. Im Januar bin ich täglich gelaufen (#RWJanuarStreak sei Dank) und konnte bis Mitte Mai satte 777 Laufkilometer auf die Uhr bringen. Vorfreude und Aufregung vermengten sich zu einer eigenen Kategorie, wie Laufkollege Marcus drüben bei Twitter feststellte:

JETZT GEHT’S LOS – Durchstarten 2019

Mit dem 1.1.2019 wurde alles besser. Im Januar bin ich täglich gelaufen und konnte bis Mitte Mai satte 777 Laufkilometer auf die Uhr bringen. Vorfreude und Aufregung vermengten sich zu einer eigenen Kategorie, wie Laufkollege Marcus drüben bei Twitter feststellte:

Am Vortag wird glich mal der Chip an die Laufschuhe geschnürt und das Vereinstrikot herausgesucht – nicht dass ich vor lauter Aufregung das Wichtigste vergesse. Hoch motiviert ging es nach Neuhaus am Vortag – in Begleitung von Diana und Jens (Danke fürs Fahren und die Hotel-Orga!) Zünftig ging es zur Startnummernausgabe und die Kloßparty. Auch der MDR war vor Ort.

Die Nacht war erstaunlich entspannt. Das Frühstück war gut. Also ging es an den Start.

Wichtigste Lehre: Beim Marathon ist die Herrenkloschlange stets länger als die der Damen! Sei’s drum – ein freundlicher Läufer hat meinen Gepäckbeutel pünktlich zum DHL-Laster gebracht und ich habe es gerade so zum Schneewalzer geschafft! Gänsehaut pur – und das legale Adrenalindoping konnte wirken. Start und ab ging es den ersten Kilometer aufwärts. Ein wenig Slalom um die (Nordic) Walker, die im ersten statt im zweiten Startblock gestartet sind – das war aber auch schon das einzige Ärgernis des Tages.

Etappe 1…

…verlief schnell – sehr schnell! Halbmarathon in 2:01:01! AUF! DEM! RENNSTEIG! JA, ICH!  (Im Sportunterricht hatte ich ein Abo auf die 3 😉) Der Haferschleim am Dreistromstein (km 10,6) war erneut der Beste des Tages – aber der in Masserberg (km 18,3) hat mächtig aufgeholt! Die 25-km-Marke habe ich nach weniger als 2:30h passiert – und die Träumerei fing an und damit auch…

…Etappe 2  – das „Drama“ hinter Neustadt

Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, aber es IST nun mal passiert. Ich habe den laaaaaangen Anstieg hinter Neustadt komplett aus dem Kopf verdrängt. Ergebnis: zu wenig in Neustadt gegessen. Und dann musste ich beißen. Aufmunterung: Der Leierkastenmann! Dann irgendwie zum großen Dreiherrenstein und erst mal ausgiebig Essenspause eingelegt. Aber im Gegensatz zu 2018 habe ich NIE ans Aussteigen gedacht! Denn Schmiedefeld lockte. Traditionell ließ ich den Bierstand bei km 37,1 aus und fokussierte mich auf das Ziel: linkes Bein, rechtes Bein, usw…

FINALE: Schmiedefeld!

Jeder, der je dort angekommen ist, weiß, was ich meine. Wer es nie erlebt hat, dem kann man es nicht erklären. Also: Anmelden und selbst erleben! Der letzte Kilometer beginnt mit einem knackigem Anstieg. Am letzten Samstag fehlten die Körner zum hochsprinten, also locker flockig hochgetrabt und gegangen und getrabt und dann oben immer schneller geworden. Der Blick auf die Zieluhr: Unter 4:30 brutto waren drin! SCHMIEDEFELD! Wahnsinn, wenn man da einschwebt!

Epilog: 4:27:08 – persönliche Marathonbestzeit!

Fix und alle, aber glücklich ohne Ende im Ziel gelegen und dann irgendwann die Medaille – die Fünfte vom Rennsteig – abgeholt. Irgendwann das gemeinsame Bier mit Diana und Jens vernichtet, auf der Gepäckwiese einigermaßen erholt, umgezogen und dann ab in die Sauna! Danach Urkunde holen, Bratwurst und Bier genießen und zu guter Letzt ging es ins Festzelt. Rennsteiglauf-Hymne, Schneewalzer und Rennsteiglied. Überall fröhliche Gesichter! Ach ja, die zwei Nasen von Hashtaglaeuft haben mir vorm Festzelt „aufgelauert“ und mich kurz interviewt – das Mikro blieb aber aus – eloquent war das Gesagte sowieso nicht! 😜

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf

2020 will ich Ultra sein

2020 werde ich – dann als M45 in Eisenach starten. Zeitiger aufstehen, mehr Höhenmeter, unterwegs sicher ein paar mehr Bilder machen und dann irgendwie dem Körper beibringen, 73,9 Kilometer laufend und gehend zu bewältigen. Zur Entschädigung wird bekanntermaßen der Schlussanstieg gestrichen – schwacher Trost, aber wenn’s der Psyche hilft… Der Jörg hat bestimmt ein paar Tipps für mich.

Mein DANK geht an die Hunderten, ja Tausenden Helfer: In den Orga-Büros, an den Verpflegungsständen, die Sanis, Polizei, Bergwachten, Feuerwehren, Blaskapellen, Zuschauer … die machen den Rennsteiglauf zu dem was er ist. Es ist kein Lauf, es ist der Rennsteiglauf! Und einen besonderen Gruß schicke ich an die Ultra-Debütantin Beatrice, deren Ankunft ich angesichts akuter Plattheit leider nicht angemessen im Zielbereich beiwohnen konnte.

4. Dezember 2017 – 109 Kilo gehen bald nach unten

Montag. 17.00 Uhr. RB-Trainingszentrum.
Infoabend „Fußballfans im Training“ samt Initialmessung im  Trainingszentrum von RB Leipzig. Die „Voraussetzungshürden“ nehme ich (leider) locker:

  • männlich
  • RB-Fan
  • über 35 Jahre alt
  • über 100 cm Bauchumfang
  • der Wille, abzunehmen und dafür auch was zu tun.

Gemessen wurden 109,0 Kg (bei 189,5 cm Körpergröße) und 109 cm Bauchumfang. Macht also einen BMI von über 30 und deutlich mehr als nur einen Bauchansatz. Blutdruck habe ich vergessen, war aber in Ordnung. Start wird Ende Februar/Anfang März sein – es wurde dann letztlich der 5. März 2018.

Haile Gebrselassie in Leipzig

Leipzig und Addis Abeba feiern 5 Jahre Städtepartnerschaft. Und es kam ganz hoher Besuch in die Boomtown: Marathon-Weltrekordhalter Haile Gebrselassie besuchte nicht nur das Rathaus, sondern er lief auch mit zahlreichen interessierten Bürgern durch die Stadt. Dabie kam mir das Privileg zuteil, Haile das ein oder andere mal zu überholen – das können nicht viele von sich behaupten.

LVZ-Bildergalerie (das Verlinkte Bild landete auf Seite 1 der Printausgabe – ich selbst ganz links im Bild 😎)

https://www.lvz.de/Mehr/Bilder/Haile-Gebrselassie-bei-seinem-Besuch-2009-in-Leipzig#chart=7

Graue Haare jagt man nicht – Dresden-Marathon 2005

Mal wieder fix ein Beitrag aus der Rubrik „mal eben kurz erinnert“.

23. Oktober 2005 – Dresden-Marathon. Rennsponsor ist zwar ein Boulevardblatt, was mich aber nicht weiter stören soll. Als Sachse musste ich natürlich mal in der Hauptstadt meines Freistaates laufen. An Pegida und Pseudo-Alternativen war im Jahr 2005 natürlich nicht zu denken und Freital war einfach nur ein netter kleiner Vorort, der zum Übernachten gut geeignet war. Am Vorabend gab es eine kleine inoffizielle Pastaparty mit Onlinebekanntschaften (entweder via Usenet de.rec.sport.laufen oder über ein Läuferforum – daran erinnere ich mich im Jahr 2019, als ich meine Erinnerungen wieder vorkrame, tatsächlich nicht mehr).

Das Rennen begann relativ unspektakulär. Mein Startblock war recht weit hinten. Aufreger gleich kurz nach Start, weil Nordic Walker (die eigentlich weiter hinten starten sollten) sich vorne reingeschmuggelt haben und angepisst waren, weil man ihre Stöcke nicht gleich gesehen hat und mal eben draufgelatscht war. (Sollte mir später auch noch mal am Rennsteig passieren) 🙁

Aber egal! Schöne Strecke. Als Halbmarathoni bin ich die Runde nur einmal gelaufen. Nach 8 km zog ein älterer Herr (M80/M85) gemütlich an mir vorbei und in meinem jugendlichen Leichtsinn konterte ich. YEEEEESSS – ich habe einen alten Mann besiegt – I am the king of the world! (Nein, ganz so arrogant war ich dann doch nicht) Ca. zwei Kilometer später: Es wurde deutlich wärmer und auf einmal: Mit starkem Überschallknall sprintete jemand an mir vorbei. Ratet mal, wer! Und ich unerfahrener Dreikäsehoch blicke mal unauffällig auf meine Laufuhr und lese was von 190er Puls. Überpaced! Karma is a bitch – zurecht!

Die zweite Rennhälfte zunächst schleppend, dann aber besser werdend. Etwa bei Kilometer 33 (ist ja eine Doppelrunde!) da sah ich ihn: Den Mann mit dem Hammer. Und zwar wortwörtlich: Typ Bauarbeiter, breite Schultern, (Achtung, Klischee!) leichter Bierbauch und mit einem wirklich riesigen Vorschlag-Hammer! Geiler Tag – obwohl ich zwischendurch mal so ein mentales Arschloch war.

Da Ziel am Parlament nahte und es war sogar noch so was wie ein Zielsprint möglich. Der war auch erforderlich, denn der Himmel zog sich immer mehr zu. Ab über die Ziellinie – Medaille abholen, Essen und Trinken fassen und ab unter die nahe Elbebrücke. 2 Sekunden später öffneten sich die Himmelsschleusen.

Fazit: Unterschätze nie, NIE, NIEMALS die Grauhaarigen! Überlege Dir ein vernünftiges Renntempo und schere Dich nicht um das, was die Anderen so treiben (entweder sind die eben besser, oder eben so leichtsinnig, wie ich es an jenem Vormittag war). 1:54:37, also eine mehr als souveräne sub 2h nach 1,5 Jahren Lauferfahrung sind auch nicht soooo schlecht.

In Ermangelung entsprechender Bilder ein vergnüglicher Twitter-Thread, der zum Thema passt – inclusive ausdrücklicher Follow-Empfehlung für @demutsch

Offenlegung: Dieser Beitrag wurde 2019 verfasst und im Interesse der Chronologie auf den Tag nach dem Wettkampf rückdatiert. Erinnerungsfehler sind nicht ausgeschlossen und beweisen, dass der Artikel zu 100% botfrei erstellt wurde.
Beitragsbild: RUN 4 FFWPU auf Pexels

Ab heute bin ich Läufer – erfahre das aber erst später

Leipzig bewirbt sich für Olympia 2012 und hat sich im Nationalen Vorentscheid gegen Stuttgart, das Rhein-Main-Gebiet, Düsseldorf und Hamburg durchgesetzt.

2004 wurde es dann ernst: Aus einer Vielzahl an Bewerberstädten wurden die Top 5 gesucht, die sich dann offiziell „Candidate City“ nennen durften. Grund genug für die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig, zu einer wahnsinnigen Aktion aufzurufen: „Laufe für Leipzig 2012!“. Die Idee ist bestechend einfach: Ein Staffelstab wird mehrere Tage und Nächte lang rund um die Uhr auf einer 7-km-Runde durch Leipzig getragen. Zeitlimit: je 1 Stunde, damit man die Teilnahme am Rundkurs gut planen konnte. Für die Ambitionierten war noch mal eine Extra-Schleife von ca. 2 km vorgesehen. Das Motto der Kandidatur „Spiele mit uns“ wurde herausragend mit Leben gefüllt.

Die Olympia-Idee hatte mich sowieso schon begeistert und da ich wusste, dass ich am Vorabend meiner Hochzeit ohnehin nicht in den Schlaf kommen würde, habe ich mir das Zeitfenster von 23-24 Uhr  für meine Teilnahme ausgesucht.
Ergebnis:

  • Ich habe den Staffelstab getragen!
  • Ich habe die 7 km-Runde locker geschafft!!
  • Ich habe die Extra-Runde geschafft!!!

Epilog: Der eigentliche Prolog

Im Forum konnte man es nachlesen: knapp 96.000 Kilometer haben alle Läufer zusammen im Zeitraum vom 12. April bis 18. Mai 2004 unter die Füße genommen. Über 12.000 Läufer waren dabei. Und plötzlich gab es einen sehr seltsamen Eintrag im Forum: Die Deutschlandstaffel – eine bekloppte Laufidee, die in Wuppertal geboren wurde, verlegt Start und Ziel nach Leipzig! Verdammt … ich bin angefixt! Die letzte Etappe sollte 20 Kilometer lang sein, das war viel zu viel für mich. Also das Orga-Team angemailt, ob man auch zwischendurch einsteigen konnte. Man konnte 🙂

Andreas, den ich ebenfalls anfixen konnte und ich erzählten stolz kraft unserer Wassersuppe, dass wir 10 Kilometer laufen würde! Doch unsere Frauen machten nicht mit: „Ihr startet gefälligst am Anfang der Etappe und steigt dann nach 10 km aus.“ Nun denn, es waren ja noch ein paar Tage hin, also begannen wir so, wie jeder Laufanfänger mal anfängt: Eine Viertel Stunde um den Block traben…

…wird fortgesetzt… (in anderen Beiträgen)

Quellen zum Nachlesen für Nostalgiker:

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