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Kleine Laufgeschichten und eine kleine Abnehm-Story mit Happy End - Als Erinnerung für mich und alle, die es interessiert...

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Graue Haare jagt man nicht – Dresden-Marathon 2005

Mal wieder fix ein Beitrag aus der Rubrik “mal eben kurz erinnert”.

23. Oktober 2005 – Dresden-Marathon. Rennsponsor ist zwar ein Boulevardblatt, was mich aber nicht weiter stören soll. Als Sachse musste ich natürlich mal in der Hauptstadt meines Freistaates laufen. An Pegida und Pseudo-Alternativen war im Jahr 2005 natürlich nicht zu denken und Freital war einfach nur ein netter kleiner Vorort, der zum Übernachten gut geeignet war. Am Vorabend gab es eine kleine inoffizielle Pastaparty mit Onlinebekanntschaften (entweder via Usenet de.rec.sport.laufen oder über ein Läuferforum – daran erinnere ich mich im Jahr 2019, als ich meine Erinnerungen wieder vorkrame, tatsächlich nicht mehr).

Das Rennen begann relativ unspektakulär. Mein Startblock war recht weit hinten. Aufreger gleich kurz nach Start, weil Nordic Walker (die eigentlich weiter hinten starten sollten) sich vorne reingeschmuggelt haben und angepisst waren, weil man ihre Stöcke nicht gleich gesehen hat und mal eben draufgelatscht war. (Sollte mir später auch noch mal am Rennsteig passieren) 🙁

Aber egal! Schöne Strecke. Als Halbmarathoni bin ich die Runde nur einmal gelaufen. Nach 8 km zog ein älterer Herr (M80/M85) gemütlich an mir vorbei und in meinem jugendlichen Leichtsinn konterte ich. YEEEEESSS – ich habe einen alten Mann besiegt – I am the king of the world! (Nein, ganz so arrogant war ich dann doch nicht) Ca. zwei Kilometer später: Es wurde deutlich wärmer und auf einmal: Mit starkem Überschallknall sprintete jemand an mir vorbei. Ratet mal, wer! Und ich unerfahrener Dreikäsehoch blicke mal unauffällig auf meine Laufuhr und lese was von 190er Puls. Überpaced! Karma is a bitch – zurecht!

Die zweite Rennhälfte zunächst schleppend, dann aber besser werdend. Etwa bei Kilometer 33 (ist ja eine Doppelrunde!) da sah ich ihn: Den Mann mit dem Hammer. Und zwar wortwörtlich: Typ Bauarbeiter, breite Schultern, (Achtung, Klischee!) leichter Bierbauch und mit einem wirklich riesigen Vorschlag-Hammer! Geiler Tag – obwohl ich zwischendurch mal so ein mentales Arschloch war.

Da Ziel am Parlament nahte und es war sogar noch so was wie ein Zielsprint möglich. Der war auch erforderlich, denn der Himmel zog sich immer mehr zu. Ab über die Ziellinie – Medaille abholen, Essen und Trinken fassen und ab unter die nahe Elbebrücke. 2 Sekunden später öffneten sich die Himmelsschleusen.

Fazit: Unterschätze nie, NIE, NIEMALS die Grauhaarigen! Überlege Dir ein vernünftiges Renntempo und schere Dich nicht um das, was die Anderen so treiben (entweder sind die eben besser, oder eben so leichtsinnig, wie ich es an jenem Vormittag war). 1:54:37, also eine mehr als souveräne sub 2h nach 1,5 Jahren Lauferfahrung sind auch nicht soooo schlecht.

In Ermangelung entsprechender Bilder ein vergnüglicher Twitter-Thread, der zum Thema passt – inclusive ausdrücklicher Follow-Empfehlung für @demutsch

Offenlegung: Dieser Beitrag wurde 2019 verfasst und im Interesse der Chronologie auf den Tag nach dem Wettkampf rückdatiert. Erinnerungsfehler sind nicht ausgeschlossen und beweisen, dass der Artikel zu 100% botfrei erstellt wurde.
Beitragsbild: RUN 4 FFWPU auf Pexels

Ab heute bin ich Läufer – erfahre das aber erst später

Leipzig bewirbt sich für Olympia 2012 und hat sich im Nationalen Vorentscheid gegen Stuttgart, das Rhein-Main-Gebiet, Düsseldorf und Hamburg durchgesetzt.

2004 wurde es dann ernst: Aus einer Vielzahl an Bewerberstädten wurden die Top 5 gesucht, die sich dann offiziell “Candidate City” nennen durften. Grund genug für die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig, zu einer wahnsinnigen Aktion aufzurufen: “Laufe für Leipzig 2012!”. Die Idee ist bestechend einfach: Ein Staffelstab wird mehrere Tage und Nächte lang rund um die Uhr auf einer 7-km-Runde durch Leipzig getragen. Zeitlimit: je 1 Stunde, damit man die Teilnahme am Rundkurs gut planen konnte. Für die Ambitionierten war noch mal eine Extra-Schleife von ca. 2 km vorgesehen. Das Motto der Kandidatur “Spiele mit uns” wurde herausragend mit Leben gefüllt.

Die Olympia-Idee hatte mich sowieso schon begeistert und da ich wusste, dass ich am Vorabend meiner Hochzeit ohnehin nicht in den Schlaf kommen würde, habe ich mir das Zeitfenster von 23-24 Uhr  für meine Teilnahme ausgesucht.
Ergebnis:

  • Ich habe den Staffelstab getragen!
  • Ich habe die 7 km-Runde locker geschafft!!
  • Ich habe die Extra-Runde geschafft!!!

Epilog: Der eigentliche Prolog

Im Forum konnte man es nachlesen: knapp 96.000 Kilometer haben alle Läufer zusammen im Zeitraum vom 12. April bis 18. Mai 2004 unter die Füße genommen. Über 12.000 Läufer waren dabei. Und plötzlich gab es einen sehr seltsamen Eintrag im Forum: Die Deutschlandstaffel – eine bekloppte Laufidee, die in Wuppertal geboren wurde, verlegt Start und Ziel nach Leipzig! Verdammt … ich bin angefixt! Die letzte Etappe sollte 20 Kilometer lang sein, das war viel zu viel für mich. Also das Orga-Team angemailt, ob man auch zwischendurch einsteigen konnte. Man konnte 🙂

Andreas, den ich ebenfalls anfixen konnte und ich erzählten stolz kraft unserer Wassersuppe, dass wir 10 Kilometer laufen würde! Doch unsere Frauen machten nicht mit: „Ihr startet gefälligst am Anfang der Etappe und steigt dann nach 10 km aus.“ Nun denn, es waren ja noch ein paar Tage hin, also begannen wir so, wie jeder Laufanfänger mal anfängt: Eine Viertel Stunde um den Block traben…

…wird fortgesetzt… (in anderen Beiträgen)

Quellen zum Nachlesen für Nostalgiker:

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