Mal wieder fix ein Beitrag aus der Rubrik “mal eben kurz erinnert”.

23. Mai 2005 – Dresden-Marathon. Rennsponsor ist ein Boulevardblatt, was mich aber nicht weiter stören soll. Als Sachse musste ich natürlich mal in der Hauptstadt meines Freistaates laufen. An Pegida und Pseudo-Alternativen war im Jahr 2005 natürlich nicht zu denken und Freital war einfach nur ein netter kleiner Vorort, der zum Übernachten gut geeignet war. Am Vorabend gab es eine kleine inoffizielle Pastaparty mit Onlinebekanntschaften (entweder via Usenet de.rec.sport.laufen oder über ein Läuferforum).

Das Rennen begann relativ unspektakulär. Mein Startblock war recht weit hinten. Aufreger gleich kurz nach Start, weil Nordic Walker (die eigentlich weiter hinten starten sollten) sich vorne reingeschmuggelt haben und angepisst waren, weil man ihre Stöcke nicht gleich gesehen hat und mal eben draufgelatscht war. (Sollte mir später auch noch mal am Rennsteig passieren) 🙁

Aber egal! Schöne Strecke. Als Halbmarathoni bin ich die Runde nur einmal gelaufen. Nach 8 km zog ein älterer Herr (M80/M85) gemütlich an mir vorbei und in meinem jugendlichen Leichtsinn konterte ich. YEEEEESSS – ich habe einen alten Mann besiegt – I am the king of the world! (Nein, ganz so arrogant war ich dann doch nicht) Ca. zwei Kilometer später: Es wurde deutlich wärmer und auf einmal: Mit starkem Überschallknall sprintete jemand an mir vorbei. Ratet mal, wer! Und ich unerfahrener Dreikäsehoch blicke mal unauffällig auf meine Laufuhr und lese was von 190er Puls. Überpaced! Karma is a bitch – zurecht!

Die zweite Rennhälfte zunächst schleppend, dann aber besser werdend. Etwa bei Kilometer 33 (ist ja eine Doppelrunde!) da sah ich ihn: Den Mann mit dem Hammer. Und zwar wortwörtlich: Typ Bauarbeiter, breite Schultern, (Achtung, Klischee!) leichter Bierbauch und mit einem wirklich riesigen Vorschlag-Hammer! Geiler Tag – obwohl ich zwischendurch mal so ein mentales Arschloch war.

Da Ziel am Parlament nahte und es war sogar noch so was wie ein Zielsprint möglich. Der war auch erforderlich, denn der Himmel zog sich immer mehr zu. Ab über die Ziellinie – Medaille abholen, Essen und Trinken fassen und ab unter die nahe Elbebrücke. 2 Sekunden später öffneten sich die Himmelsschleusen.

Fazit: Unterschätze nie, NIE, NIEMALS die Grauhaarigen! Überlege Dir ein vernünftiges Renntempo und schere Dich nicht um das, was die Anderen so treiben (entweder sind die eben besser, oder eben so leichtsinnig, wie ich es an jenem Vormittag war). 1:54:37, also eine mehr als souveräne sub 2h nach 1,5 Jahren Lauferfahrung sind auch nicht soooo schlecht.

In Ermangelung entsprechender Bilder ein vergnüglicher Twitter-Thread, der zum Thema passt – inclusive ausdrücklicher Follow-Empfehlung für @demutsch

Offenlegung: Dieser Beitrag wurde 2019 verfasst und im Interesse der Chronologie auf den Tag nach dem Wettkampf rückdatiert. Erinnerungsfehler sind nicht ausgeschlossen und beweisen, dass der Artikel zu 100% botfrei erstellt wurde.
Beitragsbild: RUN 4 FFWPU auf Pexels