#MitteMaiistRennsteiglauf und #demRENNSTEIGdieTREUE – das dürften wohl meine am häufigsten genutzten Hashtags sein. Folgerichtig stand für mich am 13. Mai 2023 wieder der Weg Richtung Schmiedefeld an. Nachdem ich beim ersten Versuch am 2. Oktober 2021 noch verletzungsbedingt in Oberhof abbrechen musste, sollte es im Jahr 2023 nach anderthalb Jahren endlich klappen – ausgerechnet zum 50. Geburtstag des GutsMuths-Rennsteiglaufes! Doch der Reihe nach. Zuvor kleine Content Note: Kann Spuren von Selbstbeweihräucherung enthalten. 😉
Prolog
- Anmeldung: 21. Mai (Sofortmeldung nach dem 2022er Halbmarathon) direkt in Schmiedefeld
- Hotelbuchung: nochmals drei Tage vorher – wegen des Jubiläums wollte ich auf Nummer sicher gehen
- Autostartnummer: Seit Mitte März in der Heckscheibe; alte Startnummern aber erst seit 12. Mai – wegen WAF und so.
- Ankunft in Eisenach: 12. Mai, gegen 17:45 Uhr, einchecken ins Hotel, Startbeutel abholen, Kloßparty, Freunde Treffen, Jubiläumsbecher erwerben, fachsimpeln, Verabredungen für Samstagmorgen treffen – das übliche 😉
- kleiner Wermutstropfen: Personalmangel im Hotel und somit kein Läuferfrühstück umsetzbar. Aber: sehr gutes Lunchpaket, in dem sogar ein Cliff Bar steckte.
- Wetterprognose: sah gut aus, 10-13 Grad ab Nachmittag sollte mit ein paar Regentropfen zu rechnen sein.
- Aufstehen: 4:30 Uhr | Abmarsch zum Marktplatz: kurz vor 5:30 | Gepäck abgegeben, und dann ab ins Getümmel
- Primärziel: in Würde ankommen. Sekundärziel: Nahe an 10:00:00 kommen, idealerweise sub10
Etappe 1: Vom Marktplatz bis zum Rennsteig …
Gegen dreiviertel Sechs traf ich ein paar Mitläufer am Brunnen neben dem Start. Noch ein wenig gefachsimpelt, gegenseitig Mut gemacht und auf die ein oder andere kritische Stelle unterwegs hingewiesen. Gemeinsam mit über 2000 Unentwegten den Schneewalzer mitgeschunkelt, und dann ging’s durch Eisenach – na ja, so ein reichlicher Kilometer und dann verließen wir schon den Asphalt und es ging hoch Richtung Hohe Sonne. Vorbei am Burschenschaftsdenkmal „zügig“ Richtung erstem Verpflegungspunkt. Dabei traf ich dann Lauffreund Jens, mit dem ich ein paar Worte austauschte. Sein Tempo passte mir irgendwie gar nicht in den Rhythmus, sodass ich erstmal weiterzog, wohlwissend, dass er dann später seinerseits an mir vorbeiziehen würde. Der Verpflegungspunkt wurde erreicht und diszipliniert wurden die ersten Kohlehydrate aufgenommen. Weiter geht’s, einmal links rum und da war es – das R – ich bin auf dem Rennsteig!
Etappe 2: … weiter zum Inselsberg ..
Die ersten Höhenmeter waren geschafft, die Beine fühlten sich leicht an, und so konnte ich locker auf dem Rennsteig entlang rollen. Am Hubertushaus musste ich natürlich kurz für einen Fotostopp anhalten, denn dort übernachtete ich mal mit der besten Ehefrau von allen während unserer gemeinsamen Runst – gleichwohl deutlich weniger ambitioniert als der lange Kanten auf dem „Steich“ (grüße gehen Raus an den Schalk!) Während oben die Sonne schien, waren im Tal noch Wolken – nun gut, ich habe bezahlt, also bekomme ich auch das bessere Wetter ab. Mit nahendem Inselsberg nahm dann die Nervosität zu – schließlich habe ich mir beim bergabrollen anderthalb Jahre zuvor irgendwas zugezogen. die letzten Höhenmeter musste ich, wie fast alle anderen Läuferinnen und Läufer in meiner Leistungsklasse auch, gehen. War natürlich nicht schlimm und nach 3:09 h erreichte ich die Zeitmatte auf dem Inselsberg.
Etappe 3: … es lockt die Ebertswiese …
Inselsberg bergab. Nun ja. Muss. Und es gelang. Wahrscheinlich mit viel zu viel Vorsicht, aber nichts passierte. Also wurden unten wieder Kohlehydrate gebunkert und der sanfte Anstieg in Richtung Ebertswiese in Angriff genommen. Alles locker-flockig, ohne dabei arrogant zu werden. Begrüßung auf der Ebertswiese – es war meine 8. Teilnahme, wie der Sprecher bei der Ankunft verkündete. Ich nutzte die Halbzeit, um ordentlich Pause zu machen und die Stimmung zu genießen. Na gut: So richtig Bock auf den unmittelbar folgenden knackigen Anstieg hatte ich nicht wirklich. Auf den später kommenden fiesen Sperrhügel dafür um so mehr.
Etappe 4: … Showdown Richtung Grenzadler …
Nach der Ebertswiese kam dann der erwartete kurze, aber knackige Anstieg. Den absolvierte ich ins gehen und ich kam wieder ins Rollen. Das Wetter hielt, die Plantarsehne hielt. An der Neuen Ausspanne die selben drei alten Herren, die ich fast immer sehe, wenn ich da vorbei komme – bilde ich malr zumindest mal so ein. Der folgende Sperrhügel wurde plangemäß souverän hochgewandert. Dann das Banner zwischen den Bäumen, welches den VP Neuhöfer Wiesen ankündigte. Ein Stich zieht durch irgendeine Sehne am Fuß – ich behaupte mal, es war die Plantarsehne. Innerlich(!) SCHRIE ich mich an: „Lass‘ das!“ – und der Schmerz war weg. Psychologie ist doch was feines.
Um so mehr genoss ich den Schleim nach 44,7 km. Dieser ist übrigens mein Lieblingsschleim, dank seines Orangen-/Zitrusgeschmacks. Und es lief, und lief und lief. Grenzadler! Ich wusste jetzt: Aussteigen ist keine Option. Überraschung: Die beste Ehefrau von allen war nicht in der Sauna, sondern empfing mich freudestrahlend. Küsschen, Fettbemme, Schleim, … und ohne Abbiegen zum Rennarzt ging es weiter – nicht mal mehr ein Halbmarathon bis zum Ziel!
Etappe 5: Auf nach Schmiedefeld!
Erst mal rum zum Rondell – könnte PB auf der Strecke gewesen sein. Nach dem Rondell zwei Anstiege zum Großen Beerberg (na ja, vier halbe Anstiege – Grüße an Lars!). Geschafft – ab jetzt geht es tendenziell nur noch bergab, nicht ohne Fotostopp am Schild, was den höchsten Punkt des Laufes markiert. Kurz nach den Schild dann der VP Schnaps: kurz angehalten einen Viertel Kurzen gegönnt und ein Unsie gemacht. Der Weg zur Schmücke ebenso Formsache wie der Rest bis zum Ortseingang Schmiedefeld.
Finale: Das schönste Ziel der Welt
Schon weit vor Schmiedefeld waren Siggi und Petra zu hören. Das beflügelt und setzt noch mal eine Menge Adrenalin und Kraftreserven frei. Es gab keinen Zweifel mehr: Ich würde nicht ins Ziel gehen, ich würde laufen. Immer näher kommt der Sportplatz, plötzlich links von mir; rote Marathon-Startnummern. Ich zündete den Turbo. Ich laufe … ich sprinte … ich fliege über die Ziellinie. Emotionen pur, die Tränen fließen. Exakt 50 Jahre, nachdem vier Männer einer Schnapsidee nachgingen, habe auch ich den langen Kanten geschafft.
Epilog
- offiziell gemessene Zeit: 10:56:32
- Das Zielbier schmeckte so gut wie nie!
- Medaillengravur gegönnt
- Die Beine schmerzten mehrere Tage
- Sofortanmeldung 2024 erledigt
Die Läuferparty war wie immer SENSATIONELL. Immerhin hatte ich die Kraft, die großen drei mitzusingen – stehend-schunkelnd auf den Bierbänken. Ein Kompliment bekam ich von den Tischnachbarn: Die machen das jetzt seit über 20 Jahren mit, aber noch nie hatten die jemandem an ihrem Tisch dabei, der vom ersten bis zum letzten Wort alles mitgesungen hat. (na ja, es gibt halt singen, und das was ich mache :-D)
PS: Irgendwie hatte ich den Beitrag EWIG nicht veröffentlicht. Ich habe den Beitrag auf den Tag nach dem Supermarathon rückdatiert.
PPS: Die Bilder bin ich immer noch schuldig.